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„Ich hoffe, dass man die Veränderung merkt“

Alles neu im Schauspielhaus? Interview mit Carsten Knödler

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Mit der neuen Spielzeit ziehen im September neue Schauspieler, Dramaturgen und Studenten in das Chemnitzer Schauspielhaus. Deren Leitung übernimmt Carsten Knödler, der zuletzt das Theater in Zittau führte. 371 fragte nach seinen Plänen.

Du warst schon einmal als Schauspieler in Chemnitz.
Ja, ich habe 1995 hier angefangen und war bis 2003 fest im Ensemble, zeitgleich habe ich meine ersten Regiearbeiten gemacht. Danach war ich immer wieder als Gast im Haus, habe etwa Ronja Räubertochter gespielt oder Süßer Vogel Jugend und die Weiße Rose inszeniert.

Hat sich aus deiner Sicht in dieser Zeit viel verändert?
Also die Mitarbeiter sind älter geworden, ich kenne ja viele schon seit 20 Jahren. Man kommt aber in ein gewohntes Umfeld zurück und trotzdem ist die Wahrnehmung durch den Abstand und die Erfahrungen im Leben anders. Aber das Theater Chemnitz blieb immer die größte Kultureinrichtung in der Stadt. Dem müssen wir auch Rechnung tragen bei der Frage, für wen wir Theater machen.

Also ist es gar nicht schwierig in Chemnitz anzukommen?
Neu. Ob es schwierig wird, das muss sich erweisen. Wir hatten vor viereinhalb Jahren in Zittau schwierige Bedingungen, da haben wir die erste Spielzeit in einem Zelt gespielt. Aber wir haben es in diesen vier Jahren geschafft, uns einen Stand und ein Vertrauen in der Stadt zu erarbeiten, sodass die Leute das Theater wirklich besucht haben und auch traurig sind, dass wir weggehen. In Chemnitz ist das jetzt ein Neustart und so ein Neubeginn hat immer eine gewisse Energie. Hier helfen mir meine Erfahrungen als langjähriger Bewohner von Chemnitz – da gibt es auch Parallelen zu Zittau, denn wir haben eine gemeinsame Biografie und die spiegelt sich in Vorlieben wieder und darin, mit welchen Problemen man sich auseinandersetzen will.

Werden die Chemnitzer denn eine Veränderung am Haus merken?
Ich glaube und hoffe, dass man die Veränderung schon merkt. Es kommt einfach ein neues Team mit neuen Inhalten und neuen Lesarten. Das Erscheinungsbild des Theaters setzt sich vor allem aus drei Teilen zusammen: Den Stoffen, den Regiehandschriften – da gibt es sicher eine Veränderung – und auch nicht ganz unwichtig: Wie stellt sich das Theater dar? Sind die Schauspieler präsent, kann man sich mit ihnen nach der Vorstellung unterhalten? Das Nachtschichtangebot wird dazu weitergeführt, aber es gibt auch viel Neues.

Zum Beispiel eine weitere Bühne ...
Dazu gehört auch, dass wir den ganzen Foyerbereich umgestaltet haben. Für mich war er immer ein bisschen kühl, sodass man dort nicht unbedingt verweilen wollte. Jetzt wird man dort sitzen können und es wird eine Foyerbühne geben. Dort werden Publikumsgespräche angeboten, Matineen, Nachtschichtangebote wie Lesungen und am 17. September die künstlerische Einweihung mit dem Stück „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“. Die Bühne schließt damit eine Lücke zwischen Ostflügel und Exil, weil das Publikum zwar an Tischen sitzt, etwas trinken kann, aber konzentriert nach vorn bleibt.

Zusammengefasst klingt das so, als ob ihr nahbarer werden wollt.
Ohne groß zu theoretisieren, denke ich, gerade für die Jugend muss Theater mehr als eine Veranstaltung auf der Bühne sein. In der heutigen Zeit gibt es wenige Orte, wo man außerhalb des virtuellen Raums zusammenkommen und über Inhalte sprechen kann, die man auf der Bühne gesehen hat. So einen Ort wollen wir hier schaffen. Mit unserem Ambiente und auch im Zusatzangebot, wo sich Besucher auch mit uns unterhalten können.

Muss man bei diesem Ansatz Abstriche im Anspruch machen?
Hoffentlich nicht! Natürlich sind die Formate nicht zu theoretisiert oder abgehoben, sondern eher direkt, unmittelbar und persönlich. Dass das Niveau nicht sinkt, dafür stehen die Leute im Haus.

Was ist dein Highlight der kommenden Spielzeit?
Oh. Wir haben 18 Premieren und für jedes Stück im Spielplan gibt es einen Grund.
Ich bin erst einmal auf das Theaterfest am 21. September gespannt und natürlich auf meine erste Produktion auf der Hauptbühne „Hedda Gabler“. Und dann schließt sich für mich gleich als nächstes Highlight „Romeo und Julia auf der Abbey Road“ an, weil es hier eine Zusammenarbeit mit Band und mit Tänzern gibt.

Gibt es auch bei euch ein Spielzeitmotto?
Wir möchten diese 18 unterschiedlichen Stücke nicht in einen Gedanken pressen. Wir haben zu jedem dieser Stücke ein Wort gefunden, das auch nach dem Verhältnis zwischen Publikum und Theater fragt. Das wird auch am Theater zu sehen sein, aber wie bleibt eine Überraschung.

Vielleicht noch ein Wort zum Theaterkonzept?
Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, finde ich, dass mit viel Arbeit und Geduld ein Konzept geschaffen worden ist, dass uns für die nächsten fünf Jahre hoffentlich gutes Arbeiten auf trotzdem hohem Niveau ermöglicht. Natürlich ist Abbau nie gut, aber mit diesem Konzept – das noch beschlossen werden muss – könnten wir leben.

Zum Schluss: Warum sollten die Chemnitzer ins Theater kommen?
Jeder Theaterabend ist unwiederbringlich, ein Unikat und das ist selten geworden. Das möchten wir mit dem Publikum zusammen erleben und uns über das Interessante an unserer Stadt und unserer Zeit austauschen.

Interview [&] Foto: Michael Chlebusch

Erschienen im 371 Stadtmagazin 09/13

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