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Meister der Druckes

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In einem unscheinbaren Hinterhof in Altendorf fällt die Stahltür schwer ins Schloss. Es riecht nach Papier, Druckfarbe und ein wenig nach Metall. Zwischen Trockenständern, großen Druckmaschinen und einer Vielzahl an Grafiken beginnt für den in Chemnitz geborenen Künstler Silvio Zesch der Tag in seiner Werkstatt meist leise.

Bevor die Arbeit beginnt, richtet er seinen Arbeitsplatz ein, mischt Druckfarben an, geht in sich und trinkt einen Kaffee. Manchmal wartet bereits ein Künstler auf ihn, dessen Grafiken Silvio drucken soll. Als wir uns treffen, liegt der Ablauf bereits fest: gestern wurde Papier eingelegt, heute laufen eigene Drucke durch die Maschine. Dabei bewegt er sich mit seiner Kunst zwischen Konzeptkunst, Experiment und klassischem Handwerk. Statt sich auf ein Medium festzulegen, entwickelt er seine Ideen über Malerei, Druckgrafik, Bücher, Videos und Installationen hinweg. Dabei arbeitet er oft mit Wiederholungen, Rasterstrukturen und ikonischen Motiven wie Mickey Mouse, Palmen oder Schädeln. Seine Arbeiten wirken nicht nur experimentell - sie entstehen häufig auch genau so: „Es gibt Lehrbücher, die dir sagen, in der Lithographie kannst du das machen, du kannst im Siebdruck das machen und im Holzschnitt kannst du das machen. Es gibt aber auch immer wieder Möglichkeiten, wo du Materialien oder Techniken miteinander kombinieren kannst, die vielleicht nicht füreinander gedacht sind oder auch überhaupt mit Materialien drucken, die jetzt nicht im klassischen Druckgrafischen vorkommen, wie zum Beispiel Luftpolsterfolie.“, erklärt Silvio.

1996 ließ Silvio Chemnitz hinter sich, um in Dresden Kunstlehramt zu studieren. Dort verbrachte er einen Großteil seiner Zeit in einer kleinen Grafikwerkstatt der Uni und in einem Lithografiekurs. Die Faszination für das Drucken entwickelte sich schnell zu einer bestimmenden Kraft in seinem Leben. „Anfänglich hat mich die Reproduzierbarkeit interessiert, aber ziemlich schnell mehr das Experimentieren und Ausprobieren.“ In der Dresdner Künstler Bubble angekommen und auf der Suche nach einer eigenen Tiefdruckmaschine stieß er schließlich auf das Angebot einer Künstlerwitwe, die eine Lithografiewerkstatt verkaufen wollte. Kurzerhand war der Kaufpreis zusammengetragen und die erste eigene Grafikwerkstatt Katharinenpresse in Dresden entstand. Diese Entscheidung markierte einen Wendepunkt: Er brach sein Lehramtsstudium ab und begann an der Kunstakademie in Dresden Kunst zu studieren. Umgeben von anderen Künstlern und Grafikern, wurde in der Werkstatt nicht nur gearbeitet, sondern auch diskutiert, experimentiert und gemeinsam gefeiert. Zwischen 2001 und 2005 entstand jährlich eine Litho-Grafikmappe, die Gegenstand mehrerer Ausstellungen wurde.

2009 zog die Werkstatt erstmals nach Podrosche in der Oberlausitz um. Auch hier stand das Drucken im Mittelpunkt, während Silvio vor allem das Verlegen zahlreicher Künstlerbücher durch den gegründeten SALZ Verlag vorantrieb. Die Werkstatt entwickelte sich dabei kontinuierlich weiter: 2017 wurde sie um den Siebdruck erweitert, 2019 kam der Buchdruck hinzu. In jenen Jahren schuf er einen Ort, an dem unterschiedliche Drucktechniken miteinander kombiniert werden konnten. Der Verlag wurde schließlich 2024 aufgelöst.

Seit 2023 dürfen wir den vielseitigen Künstler und seine umfassende technische Expertise nun wieder in Chemnitz wissen. Mit der Gründung seiner Grafikwerkstatt studio Z vereint er in der Erzbergerstraße erneut sämtliche druckgrafische Techniken - von Lithografie über Hoch-, Tief und Flachdruck bis hin zu Sieb- und Buchdruck. „Die meisten Werkstätten sind auf eine Technik spezialisiert aber hier gibt es alle.“, erzählt Silvio.

Damit möchte er eine Ort schaffen, an dem sich Menschen kreativ ausprobieren können – egal ob mit oder ohne Vorkenntnisse. Im Mittelpunkt stehen Austausch, gemeinsames Arbeiten und die Möglichkeit, verschiedene Drucktechniken kennenzulernen. Jeden Mittwoch öffnet die Werkstatt nach Voranmeldung von 17 bis 22 Uhr ihre Türen. Wer möchte, kann mit einer (fertigen) Idee vorbeikommen, erste Entwürfe direkt vor Ort entwickeln oder einfach erst einmal zuschauen und experimentieren. „Etwas selbst zu tun und Dinge zu entwickeln, die man zuhause am Küchentisch mit einem Platt Papier und einem Stift vielleicht nie so hinbekommen würde, kann etwas Faszinierendes sein.“

Auch Künstler:innen oder Kunstklassen ohne eigene Werkstatt sind eingeladen, die Räume und Maschinen für eigene Projekte zu nutzen oder neue Techniken auszuprobieren. Zukünftig sollen auch Druckkurse zu einzelnen Verfahren entstehen. Ein regelmäßiger Blick auf die Website lohnt sich.

Auch für mögliche Ausstellungen hat Silvio Zesch eine klare Idee: Gezeigt werden soll vor allem das, was in direktem Zusammenhang mit der Werkstatt entsteht. Das können Arbeiten von Teilnehmer:innen der offenen Druckwerkstatt sein, gemeinsame Projekte mit Schulen oder auch Ergebnisse eingeladener Künstler:innen, die für eine Zeit vor Ort arbeiten. Langfristig könnte sich so ein Programm entwickeln, das die Werkstatt selbst zum Ausgangspunkt der Präsentationen macht – weniger die klassische Ausstellung „fertiger Werke“, sondern eher ein Blick auf Prozesse, Experimente und das, was hier konkret entsteht.

„Aber alleine ist das unmöglich. Dazu braucht es eine Handvoll Leute, die in sich ruht, sich versteht und etwas Ähnliches will“, sagt Silvio. Denn damit die Druckwerkstatt langfristig ihren Platz in der Stadt behalten kann, lebt sie vor allem von den Menschen, die sie mit Leben füllen – von Neugierigen, Kreativen, Lernenden und denen, die Lust haben, gemeinsam etwas entstehen zu lassen.

Instagram: studio_z_chemnitz

Website: studio-z.art

Erzbergerstraße 2, 09116 Chemnitz

Text: Paula Thomsen | Fotos: Paula Thomsen, Silvio Zesch

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