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Nachtigall, ick hör dir japsen

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Ende Oktober wurde das Konzept für eine Chemnitzer Nacht-Koordination vorgestellt und veröffentlicht. Die Redakteurin Paula Thomsen hat sich für euch mal durch das seitenlange Konzept gewühlt, um euch mit den wichtigsten Infos zu versorgen.

Laut einer Bürgerumfrage von 2018 fühlen sich 77% der Chemnitzer und Chemnitzerinnen nachts nicht sicher. Besonders dazu beigetragen haben die Ereignisse im Spätsommer 2018. Aber auch mangelnde Beleuchtung und geringe Präsenz von deeskalierenden Maßnahmen wie die Polizei und Streetworker tragen eher zu einer Nichtteilnahme als zu einer Teilnahme am Chemnitzer Nachtgeschehen bei.

Unter anderem wegen dieser Aspekte hat sich das Kulturbündnis Hand in Hand e.V. in Zusammenarbeit mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der TU Chemnitz mit verschiedenen Akteuren und Akteurinnen der Stadt zusammengesetzt und ein Konzept für eine Nacht-Koordination Chemnitz entwickelt, die den Namen „Nachtigal” trägt (Netzwerkarbeit für den Austausch von Culture: Clubs, Concerts, Cinemas, Hotellerie, Transport, Dienstleister, Industrie und Wirtschaft, Gastronomie, Anwohnerschaft und Lokalpolitik) Seit dem 30. Oktober dieses Jahres ist das Konzept öffentlich zugänglich und liegt nun dem Stadtrat vor, der sich (hoffentlich) zeitnah für eine praktische Umsetzung entscheidet.

Schauen wir uns aber zunächst einmal an, was die Funktion, Ziele und Aufgaben dieser Nacht-Koordination sein sollen. „Die Nacht-Koordination setzt Themen des Nachtlebens auf die Agenda von Politik und Gesellschaft, stimuliert die (Sub-)Kultur und trägt somit zu einer vielfältigen, sozialen und ethnisch integrativen Stadt in der Nacht bei. Diese sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Merkmale in der Stadt in der Nacht tragen dazu bei, dass die Stadt Chemnitz als innovativ, lebendig sowie aufgeschlossen wahrgenommen wird.“ Um es kurz zu sagen: Sie möchte und muss „die Vielfalt an Themen, Problemen und Ideen“ bündeln und als „Ansprechpartner, Moderator, Experte und Visionsentwickler“ und als Bindeglied zwischen den Akteurinnen und Akteuren des Nachtlebens, Bevölkerung und Politik fungieren. Davon profitieren sollen unter anderem Clubs und Spielstätte, die Gastronomie, Festivals und die Bürger und Bürgerinnen der Stadt Chemnitz. Für alle Beteiligten möchte man die spezifischen Interessen ergründen und unter Beachtung von ökonomischen, kulturellen, sozialen und umweltbezogenen Zielen kommunizieren.

Angebote des Nachtlebens sind einerseits ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens und fördern die Vielfalt einer Stadt, andererseits ist es auch ein essenzieller Wirtschaftsfaktor, bei dem Dienstleister und Dienstleisterinnen wie Bars, Clubs, Restaurants und Hotels auf Besuch angewiesen sind. Es wird wohl kaum eine große Überraschung sein, dass die Komponente „Nacht“ durchaus einen erheblichen Einfluss darauf hat, ob und dass viele (junge) Menschen nach Chemnitz ziehen wollen und unsere Chemnitzer und Chemnitzerinnen den Gedanken in eine andere Stadt zu ziehen schnell wieder vergessen. Dies gilt gleichsam auch für Unternehmen.

Das Konzept beschreibt unter anderem Themen wie Erreichbarkeit verschiedener Kultureinrichtungen in Kombination mit fehlenden infrastrukturellen Lösungen, Deeskalationsmaßnahmen bei Nacht und mangelnde Beleuchtung als Probleme, die es schleunigst mit Hilfe einer Nacht-Koordination zu beseitigen gilt. Damit sind selbstverständlich viele weitere Hände voller Probleme und ausbaufähiger Strukturen noch nicht genannt und vielleicht noch nicht einmal gedacht.

Eine Frage stellt sich an dieser Stelle: Wer aber soll es sein, der all den Funktionen und Aufgaben gerecht wird? Man möchte dafür drei Stellen im Rathaus schaffen, die jeweils auf die Bereiche „Koordinierung Nachtleben, Nachtkultur und Szene“, „Koordinierung Verwaltung und Politik“ und „Assistenz für Kommunikation und Verwaltung“ spezialisiert sind. Die Kosten dafür werden auf 200.000 jährlich geschätzt.

Wer gerne tiefer in die Materie eintauchen möchte, kann sich ganz unkompliziert das Konzept kostenfrei unter handinhand-chemnitz.de herunterladen und genauer nachlesen.

Text: Paula Thomsen | Foto: Mai-fotografie.de / pixelarchiv.net

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