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Sushi & Fernweh

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„Chemnitz ist zeitweise kulinarisches Brachland.“ Diesen Satz haben wir 2023 geschrieben – und ehrlich gesagt war er weniger Urteil als Ausgangspunkt für eine Frage: Gibt es hier wirklich so wenig gute Gastronomie, oder sehen wir sie bloß nicht?

Drei Jahre, hunderte Restaurantbesuche, tausende Nachrichten und ziemlich viele „Da müsst ihr unbedingt mal hin“-Empfehlungen später kennen wir die Antwort ziemlich gut. Chemnitz hat kulinarisch einiges zu bieten. Was häufig fehlt, sind Sichtbarkeit, Wissen und oft auch ein bisschen Neugier auf das, was direkt vor der eigenen Haustür passiert.

Genau deshalb gibt es The Taste of Chemnitz heute noch. Wir testen, entdecken, erzählen Geschichten und schauen hinter neue Konzepte. Aber eben nicht allein. Viele Hinweise, Gerüchte, Neueröffnungen und Geheimtipps kommen direkt von euch.

Wir sind kein klassischer Restaurantführer, keine Zeitung und erst recht kein Anzeigenblatt. The Taste of Chemnitz ist eher ein gemeinsamer Blick auf die Gastronomie dieser Stadt: neue Restaurants, ehrliche Eindrücke, kulinarische Inspiration. Für Gastronomen bedeutet das Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und Feedback, für uns alle Wissen darüber, was hier passiert. Foodie-Community trifft Stadtbeobachtung. Mit Sauce. Drei Jahre später ist das vielleicht die schönste Erkenntnis: Die Stadt hat mehr Geschmack, als man ihr manchmal zutraut.

Apropos Entwicklung: Wer das ÔngCôi von Anfang an kennt, erinnert sich vielleicht noch an den Satz „Max. 12 Pax. – pls call before you come!“. Klein war damals keine Beschreibung, sondern Raumkonzept. Im Mai 2025 zog Duy Tung Doan von der Zwickauer Straße auf den Brühl und vervierfachte die Plätze.

Mit dem Umzug ist das ÔngCôi erwachsener geworden, ohne seinen kulinarischen Kern zu verlieren. Sushi bleibt das Fundament, doch daneben bekommt die Fusionküche mehr Raum – mit Säure, Schärfe, Röstaromen und Verbindungen zu vertrauter Wohlfühlküche.

Ein Beispiel: Gelbschwanzmakrelen-Ceviche mit Limette, Jalapeño, Miso-Karamell und frittiertem Reispapier. Die Säure gart den Fisch kalt, Jalapeño bringt Schärfe, Miso-Karamell Tiefe, das Reispapier den Crunch. Aus vielen Komponenten entsteht ein vollständiges Geschmacksbild, so wie es sein sollte.

Bei Sushi bleibt das „Surprise Me“ seit Jahren unsere Konstante: eine wechselnde Auswahl verschiedener Sushi-Rollen, von Signature Rolls wie dem veganen Popeye Village über Sashimi bis zu den Crunchy Rolls. Gerade deren Panade überzeugt – dünn genug, um die Rolle nicht zu erschlagen, kräftig genug gebräunt für echten Crunch.

Spannend wird es auch jenseits des Sushi. Ein geschmortes Dry-Aged-Rippchen trifft auf Kartoffelstampf, Miso und Sesam. Vertrauter Kartoffelbrei kombiniert mit asiatischem Fernweh.

Genau das macht das ÔngCôi heute aus: unterschiedliche Kochkulturen werden über Techniken, Texturen und Aromen verbunden. Wir kennen den Laden seit Jahren und freuen uns über diese Entwicklung – vom winzigen Restaurant an der Zwickauer Straße zu einem selbstbewussten Ort am Brühl.

Text und Foto: @thetasteofchemnitz

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