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Master of Disaster

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Mindestens 1050 Tote – die traurige Bilanz des Hurrikan Matthew, der 2016 auf Haiti ein Bild der Verwüstung zeichnete. Die erschreckenden Bilder ließen den Absolventen im Master-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Chemnitz, John-Henning Peper, nicht mehr los. Der 28-jährige interessierte sich schon vorher für die Auswirkungen globaler Geschehen, wie Umweltkatastrophen. „Die Ereignisse um Hurricane Matthew haben jedoch ziemlich deutlich die Frage aufgeworfen, warum internationale Hilfe so schleppend anläuft. Warum müssen die Vereinigten Staaten erst ihre Flugzeugträger leerräumen, um dann mit Baggern nach Haiti übersetzen zu können? Warum gibt es dafür nicht explizit entwickelte Schiffe oder standardisierte Hilfsausrüstung?“. Peper, der sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, wollte die Fragen nicht unbeantwortet lassen.

Er entwarf ein Lösungskonzept – Die Entwicklung eines standardisierten Hilfscontainer für den Katastrophenschutz. Dieses reicht er 2017 beim SAXEED-Ideenwettbewerb „Schicke Ideen“ ein und gewinnt in der Kategorie „Studierende“. Mit dem Sieg habe er gar nicht gerechnet, sagt er. Er selbst sei zwar von der Entwicklung überzeugt, dass diese Begeisterung jedoch geteilt wird, habe ihn überrascht. „Da es sich um etwas handelt, was nicht à la Höhle der Löwen irgendwann im Konsumgütermarkt auftaucht.“, meint er. Mit Unterstützung seiner Universitätsbetreuer:innen und dem Gründernetzwerk SAXEED nimmt er Kontakt zu Organisationen auf, die sich auf internationale Hilfe spezialisiert haben und holt sich Expertenwissen ein. Er entwirft ein detailliertes Produktkonzept und gewinnt mit dem sogenannten „Disaster Relief System“ (DRS) 2020 zusammen mit Frank Amankwah von der Universität Leipzig den mit 2.000 Euro dotierten Publikumspreis der Leipziger Gründernacht für die beste Geschäftsidee.

Aus seiner Idee ist mittlerweile ein fünf-köpfiges Team gewachsen. „Derzeit arbeiten wir am Feinentwurf und Erproben Teilsysteme unseres ersten Produktes. Darüber hinaus sind wir auf der Suche nach Unterstützern, die sich von unserem Ziel angesprochen fühlen, den Auswirkungen humanitärer Katastrophen mit technischen Mitteln zu entgegnen.“ 2022 wollen sie das erste Produkt auf der Interschutz, einer Weltleitmesse für Rettungstechnik, in Hannover vorstellen. „Hilfsbereit, ehrgeizig und vertrauenswürdig“, so beschreiben ihn Freund:innen und Familie, diese Eigenschaften gepaart mit dem Drang etwas Gutes für die Menschen zu tun, werden sicher auch in Zukunft „Schicke Ideen“ hervorbringen und die Welt vielleicht etwas besser machen.

Text: Jenny Wittig , Foto: privat

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